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Pferde - Eselleben

 

Ohne unsere Pferde und Esel wäre das gesamte Amalion-Projekt mit Sicherheit nie entstanden. Es ist das Leben mit unseren Tieren, dass uns immer wieder auffordert, genauer hinzuschauen und zu spüren, kreativ zu sein, Hürden zu meistern und nicht aufzugeben - und bei all dem das Miteinander-Sein zu feiern.

Dabei sind wir noch längst nicht am Ende unseres Weges angekommen, es gibt noch so Vieles, was wir verbessern wollen, was wir erträumen - nicht nur zum Wohle der Herde, sondern für so viele Wesen: Pflanzen, Tiere und letztlich auch für uns Menschen.

Die Pferde werden nicht (mehr) geritten oder sonst in irgendeiner Weise von uns genutzt. Sie dürfen selber entscheiden, ob sie in Kontakt gehen möchten oder nicht, ob sie mit auf einen Spaziergang gehen möchten, oder nicht.

Im Sommer 2019 wurden wir von Maksida Vogt eingeladen, der Gemeinschaft der Academia Liberti Höfe beizutreten. Das hat uns sehr gefreut und geehrt. Uns eint unsere Vision für mehr Freiheit und Selbstbestimmtheit für die Pferde.

Die Tiere haben das ganze Jahr über Zugang zum Gras und immer Heu zur freien Verfügung.

Es gibt verschiedene Heuraufen, die auch versetzt werden können, so dass die Tiere verschiedene Stellen anlaufen können.

Die Wiesen werden regelmäßig gewechselt und es gibt Weiden, die näher und welche, bei denen  weitere Wege zurückgelegt werden müssen.

Die Herde als ein System wahrzunehmen, das eine sehr spezifische Dynamik hat und gleichzeitig jedes Herdenmitglied mit den individuellen Bedürfnissen anzuerkennen ist eine große Herausforderung im Leben mit der Herde. Es braucht immer wieder die Bereitschaft wertfrei zu beobachten, Kontrolle loszulassen, wirklich in Kontakt zu SEIN und sich authentisch einzubringen.  Werte, die übrigens auch im Zusammenleben mit der menschlichen Gemeinschaft unterstützend sind.

Esel haben etwas andere Bedürfnisse als Pferde. Um dem gerecht zu werden, haben die Esel ihren eigenen Bereich und immer Stroh in bio-Qualität zur freien Verfügung.

Bei den Eseln steht überständiges Gras und vor allem Baumrinde sehr oben auf dem Speiseplan. Die Esel würden es also nicht lange aushalten, wenn sie beispielsweise Pflaumenbäume, Weide oder Eberesche auf ihrer Wiese oder dem Auslauf zugänglich hätten, ohne die komplette Rinde innerhalb von wenigen Minuten abzuschälen und somit hätten die Bäume keine Überlebenschance.

Die Pferde hingegen erfreuen sich im Herbst an den Pflaumen, knabbern ab und zu an den Zweigen und nehmen von der Weide die Äste, an denen sie rankommen. Es gibt meißt im Frühjahr eine Zeit, wenn der Baumsaft steigt, da sperren wir die Pflaumenbäume auch für die Pferde aus.

Für die Esel heißt das, dass sie nur Holunder zugänglich haben, denn den mögen sie nicht und lassen ihn stehen. Ansonsten bekommen sie reichlich Weidenäste und auch sonstige Baumäste vorgelegt und dürfen so knabbern, ohne ganze Baumbestände zu ruinieren. Und Obst bekommen sie auch, aber so, dass die Obstbäume auch überleben.

Für uns ist es ein Anliegen, über die Tiere auch einen Zugang zu den natürlichen Kreisläufen zu haben:

Wenn wir Kopfweiden schneiden und die Esel die dicken Stämme entrinden, dann trocknet das Holz schneller und wir können es eher als Brennholz nutzen. Die dünneren Äste werden als Haufen aufgeschichtet und sind wunderbare Rückzugsräume und Nistplätze für Amseln und Zaunkönige oder auch für Igel.

Um den Stall und die Raufen sammeln wir die Pferdeäpfel auf. Der Mist wird aufgeschichtet und von Kompostwürmern und Effektiven Mikroorganismen zu wunderbarem Dünger verwandelt. Der wiederum kommt den jungen Obstbäumen und den starkzehrenden Gemüsepflanzen, Rosen und Stauden sehr zu Gute.

Was noch übrig ist vom Kompost, da werden Kürbispflanzen drauf gesetzt und nach der Kürbisernte bleibt dann eine wunderbare Gartenerde zurück, die für alle nicht so heißhungrigen Pflanzen wertvoll ist.

Da die Tiere Heu satt haben, sortieren sie aus, was sie nicht mögen. So bleibt einiges an Heu übrig, das je nach Zustand als Abdeckung für den Kompost oder zum Mulchen für die Beete genutzt wird. Seit Sommer 2019 machen wir sehr gute Erfahrungen mit dem Kartoffelanbau unter Heu.

Diese Art der "Kreislaufwirtschaft" ist noch ein weites, spannendes Experimentierfeld für uns.

Auch beim Bauen und Renovieren hier auf dem Hof, versuchen wir weitestgehend Materialien, die wir irgendwo abgebaut haben wenn möglich wieder zu verwenden. So haben wir mit abgetragenen Mauersteinen der alten Stallruine, den Boden um den wieder aufgebauten Stall gepflastert.

Das Leben als Teil der Herde, im Kreislauf der Jahreszeiten und der Natur eingebunden zu sein, ist für uns zutiefst befriedigend und beglückend, jenseits aller romantischen Vorstellungen vom Leben auf dem Lande.

Stallbau in Amalion

der Urzustand: eine Ruine mit Urwald

die ersten Wochen: Aufräumarbeiten

Westseite mit Schleppdach

ehemalige Mauersteine dienen nun als Bodenpflaster

die Nordseite

Ansicht von der Hofseite.

Stallbau in Amalion

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