Neue Narrative

Im August gab es an der Leuphana Universität Lüneburg die "Utopie-Konferenz". Hierzu hatten Maja Göpel und Richard David Precht verschiedene Akteure und Akteurinnen eingeladen, um über den Wandel, der uns bevorsteht zu sprechen und wie dieser umgesetzt werden könnte. Parallel dazu gab es sogenannte "Utopie-Camps" an verschiedenen Orten, in denen Utopien entwickelt und diskutiert wurden.


Die Zeitschrift "Oya" hatte diesen Sommer zum "Sommer des guten Lebens" aufgerufen. Auch hier wurde an vielen unterschiedlichen Orten dazu eingeladen, miteinander in Austausch zu gehen, was das "Gute Leben für alle" ausmachen und wie es umsetzbar werden kann. Dabei meint "für alle" nicht nur die menschliche Gemeinschaft, sondern die gesamte spezies- übergreifende Lebensgemeinschaft auf unserem lebendigen Planeten.


Wer halbwegs sensibel ist und mit mehr oder weniger offenem Bewußtsein durchs Leben geht, der bemerkt längst, dass wir schon mittendrin sind, im Wandel. Auch (oder grade weil) viele Menschen noch festhalten am Alten, werden die neuen Geschichten doch immer mehr.

Geschichten, die davon handeln, dass wir Menschen Erwachsen geworden sind, unsere Verantwortung annehmen und im Einklang mit der lebendigen Natur, von der wir ein Teil sind, leben.

In diesen Geschichten sind wir alle aufgerufen, kreativ den Wandel mit zu gestalten, jeder Mensch auf seine ureigene Weise.


Um neue Geschichten entstehen zu lassen, geht es nicht darum, für alle Probleme gleich Lösungen parat zu haben oder eine unumstößliche Meinung. Es geht darum, innezuhalten und essentielle Fragen zu stellen, wie: " In welcher Welt möchte ich leben?"

Dann können die heilsamen Geschichten entstehen, aufsteigen aus einem tiefen kollektiven Wissensfeld.

Diese Geschichten lassen sich nicht erzwingen, sie brauchen einen Nährboden des Vertrauens, des Hörens und Gehört-Werdens.


Im Kontakt mit den Gästen hier auf unserem Hof bemerke ich vermehrt eine Mischung aus Erschöpfung, Ratlosigkeit, Desorientierung und nach den langen Corona-Einschränkungen auch manchmal ein "Jetzt bin ich mal wieder dran!".

Und auch ich selber durchlaufe immer wieder diese Zustände, dazu ein ständiger Wechsel von Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, angesichts der Herausforderungen auf so vielen Ebenen.


All dies sind Anzeichen, für die Transformation, die stattfinden möchte: wir wissen, dass das Alte ausgedient hat, doch das Neue ist (noch) nicht greifbar. Wir sind in einer Art Zwischenraum: nicht mehr ganz "hier" und noch längst nicht "da".

Wobei für viele noch nicht klar ist, was dieses "da" eigentlich sein oder wie es sich anfühlen könnte.

Sich diesem Zustand hinzugeben ist kein einfacher Weg, denn wir müssen uns selbst und unser Tun immer wieder in Frage stellen, ganz offen, ehrlich und dabei möglichst liebevoll.

Weil wir das gerne vermeiden wollen, sind wir so schnell darin, andere für ihr Tun oder Nicht-Tun zu verurteilen, denn dann brauchen wir uns unsere eigene Orientierungslosigkeit nicht einzugestehen.

Doch grade diese Hingabe an den Prozeß und das Annehmen des "Nicht-Wissens" sind essentiell auf dem Weg der Transformation und machen diese erst ganzheitlich möglich.


Bislang lag der Fokus im Zusammensein mit unseren Gästen darin, Menschen einen Ort zu bieten, um zur Ruhe zu kommen und sich neu orientieren zu können, vielleicht auch zu inspirieren.

Jetzt möchten wir einen Schritt weiter gehen und gemeinsam mit den Menschen, die eine längere Zeit hier bei uns verweilen, auf Spurensuche gehen: einen Raum kreieren, in dem die neuen Geschichten erzählt und gehört werden.

Die Frage: "In welcher Welt möchtest du leben?" lädt zum Hinspüren und Entdecken ein.

Wir betreten einen vertrauensvollen Raum, in der jede und jeder aus dem Herzen spricht und zuhört.

Es geht nicht darum, Argumente auszutauschen, die Für´s und Wider´s von Ideen abzuwägen, Machbarkeitsstudien zu erstellen - es geht darum neue Narrative von der Welt zu hören und zu erzählen, in die wir dann hinein leben können.


Inspiriert von Charles Eisenstein, von vielen Indigenen und letztlich auch von meinem eigenen indigenen Herzen, dass jedem Menschen innewohnt, bin ich davon überzeugt, dass unsere Herzen die schönere Welt, in der wir im Einklang mit allem Lebendigen leben, schon lange kennen.

Jetzt braucht es den Mut und das Vertrauen, unsere Herzen wieder sprechen zu lassen.

Diesen Raum möchten wir hier kreieren, damit die heilsamen Geschichten, die wir erzählen und erfahren, in die Welt kommen und Wirklichkeit werden können.

Zum Wohle aller Wesen.



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--pf--

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